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Die LaTène-Zeit

Die jüngere vorrömische Eisenzeit ist wie ihr Vorgänger - die Hallstattzeit - auch nach einen Fundort benannt. Im Jahre 1874 wurde bei La Tène am Neuenburger See in der Schweiz ein weiterer spektakulärer Fund gemacht. Die dortigen Funde unterschieden sich deutlich von denen der Hallstattkultur im Kunststiel und wiesen einen ganz eigenen Stil auf. Daher wurde der Zeitabschnitt der jüngeren Eisenzeit nach ihren Fundort La Téne genannt und es wurde von da an, wenn man die klassische Zeit der Kelten in Mitteleuropa vor der Romanisierung meinte, von der La Téne Kultur gesprochen. Dieser Zeitabschnitt der europäischen Geschichte erstreckt sich von 450 v. Chr. bis ca. 15 v. Chr.

Der Hobby-Archäologe Friedrich Schwab konzentriert sich, im Gegensatz zu den meisten Archäologen seiner Zeit, darauf, Gewässer zu durchkämmen. Begünstigt durch ein starkes Absinken des Wasserspiegels des Neuenburger Sees wurden an einer La Tène“ genannten Untiefe aus dem Wasser ragende Pfähle sichtbar. Schwab konzentrierte seine Suche daraufhin auf die Flussmündung des Flusses Thiéle in den Neuenburger See. Offensichtlich ein weiser Entschluss, wurden dort doch daraufhin in den folgenden Jahren mehrere tausend Artefakte, die Überreste von Gebäuden, sowie zweier Brücken aus der vorrömischen Eisenzeit entdeckt.

Anfang des 20. Jahrhunderts fand man dann in La Tène noch mehr gut erhaltene Holzgegenstände, unter anderem Schilde. Insgesamt wurden in La Téne 166 Schwerter (teilweise mit Scheide), 269 Speerspitzen, 29 Schilde und ca. 380 Fibeln geborgen. Dazu kamen noch etliche Gürtelschnallen, Rasiermesser, Eisenbarren, hölzerne Joche, so wie noch Einiges mehr zu Tage.

 

Darüber, was an dieser Stelle in der jüngeren Eisenzeit einmal genau existierte, gibt es bis heute mehrere Theorien. Diese Theorien reichen von einer Siedlung über ein handwerkliches Zentrum bis hin zu einer Kultstätte. Für eine Kultstätte sprechen dabei viele Fakten, so z.B. die hohe Anzahl der gefundenen Artefakte, die als Opfergaben gedient haben könnten, sowie Skelettreste, die den Schluss zulassen, dass Menschenopfer dar gebracht wurden.

Insbesondere die in dieser Gegend gefundenen Schwerter samt Scheiden erregten das Interesse des damaligen Präsidenten der Antiquarischen Gesellschaft in Zürich, Ferdinand Keller. Im Gegensatz zu den Schwertern und Scheiden der „Hallstattkultur“ zeichneten sich die „La Téne Schwerter“ durch eine lange und schmale Klinge aus, während die Scheiden eine sorgfältigere und aufwändigere Verzierung aufwiesen. Keller ordnete diese Waffen einer eisenzeitlichen Kultur zu; anderen Forschern zufolge waren diese eher römischen oder etruskischen Ursprungs. Für die Klärung sorgte dann Napoleon III., dessen archäologische Forschungen eine Datierung der „La Téne Schwerter“ auf das 1. Jahrhundert v. Chr. erlaubten.

Die Entwicklung zur eigenständigen La Tène Kultur ging, wie man heute weiß, nur sehr langsam vor sich, führte aber zu umwälzenden Veränderungen und charakteristischen Ausprägungen. Wie beispielsweise in der Keramikherstellung. Dort zeigen sich im archäologischen Fundmaterial schon vom Beginn der La Téne Zeit an die Auswirkungen einer Neuerung auf diesem Gebiet. Es finden sich typische Tongefäße mit einem extrem flachen Körper und sehr dünnem, überlangem Hals. Diese Form wurde durch die Zuhilfenahme einer Töpferscheibe ermöglicht, eine Neuerung, die nördlich der Alpen in dieser Zeit zum erstmals auftritt.

Des Weiteren sind Funde von bunten Glasarmreifen, die oft in Frauengräbern gefunden wurden, ebenfalls typisch für diesen Zeitabschnitt. Sie zeigen unter anderem den Aufschwung, den die Glasverarbeitung damals nahm.

Im Kunststiel prägen von nun an etruskische und griechische Vorbilder die Verzierungen. Palmetten, Ranken und Voluten verdrängen die strenge Geometrie der hallstattzeitlichen Muster. Es kamen immer mehr Tiergestalten und stark abstrakte Fratzen auf.

 

Bruchstücke von Glasarmringen aus Altendorf,

 

Während diese zunächst während der Späthallstattzeit auf die so genannten Fürstengräber beschränkt bleiben, kommt es während der Früh - La Tène Zeit zu einer eigenständigen Umbildung der Einflüsse, die nun auch die Unterschichten erfassen. Kernbereiche dieser Kulturentwicklung sind besonders die Regionen am Nordwestrand der Hallstattkultur, wobei die Hunsrück - Eifel und die Marne - Mosel Region sowie im Osten der Fundort Dürrnberg (A) durch hervorragende Funde auffallen. In diesen drei Regionen ist die frühe La Téne Kultur durch herausragenden Funde des 4. und 5. Jahrhundert v. Chr. besonders deutlich fassbar.

Durch die weite Verbreitung und die regionalen Unterschiede kann kein „allgemeingültiger“ Abriss der La Tène Kultur und ihrer Sitten gegeben werden. Es ist vielmehr notwendig, verschiedene Regionen gesondert zu betrachten. Die La Téne Zeit wird in der Literatur häufig in drei Zeitabschnitte unterteilt.

 

Dechelette

Reinecke

Datierung

Früh - La Tène

La Tène I

La Tène A und B

480 v. Chr. - 300 v. Chr.

Mittel- La Tène

La Tène II

La Tène C

300 v. Chr. bis 100 v. Chr. (regional bis ca. 150 v. Chr.)

Spät- La Tène

La Tène III

La Tène D

150/ 100 v. Chr. bis vor dem Jahr 0

 

 

 

Der Grieche Herodot schreibt im 5. Jahrhundert v. Chr. über die "Kelten" an den Quellen der Donau. Da wir aber nur schriftliche Quellen von Völkern aus dem mediterranen Bereich haben, die mit den Kelten in Kontakt standen und die Kelten selber keine schriftlichen Zeugnisse hinterlassen haben, kann man sich heute nur nach an den archäologischen Fakten und den antiken Autoren orientieren.

Ob sich die Einwohner des Kulturbereiches der Späthallstattkultur bzw. der Früh- La Tène Kultur selbst als einheitliches Volk, wie es der Grieche beschreibt, verstanden, ist fraglich. Ob die damaligen Sprachgrenzen mit den Kulturgrenzen deckungsgleich waren, können wir heute mangels datierbarer Sprachzeugnisse nicht mehr sagen

Aber eines ist heute noch fassbar: Ab dem 4. Jahrhundert v. Chr. fanden bei den Kelten große Wanderungsbewegungen statt. Die keltischen Stämme, welche in die Po-Ebene Norditaliens wanderten, plünderten um 390 v. Chr. Rom, während im 3. v. christlichen Jahrhundert keltische Stämme in das Donaubecken (bei Daker in Makedonien), Griechenland und Kleinasien (Galatien) vorstießen. Für das Jahr 281 v. Chr. sind militärische Erfolge der Kelten in Makedonien nachgewiesen.

Im heutigen Frankreich wird die Bevölkerung der dortigen Stämme zur La Tène Zeit als Gallier bezeichnet. Die Gallier haben insoweit einen Sonderstatus, in dem sie aus römischen Quellen lebendig werden und das "Verschwinden" der rechtsrheinischen Kelten um einige Jahrzehnte überdauern.

Die Römer trafen hier seit dem 2. vorchristlichen Jahrhundert auf die keltischen Stämme. Die anschließenden Kämpfe im Gallischen Krieg zogen sich bis 52. v. Chr. hin, in der Vercingetorix in der Schlacht von Alesia gegen César eine vernichtende Niederlage erlitt.

Im Südwesten Britanniens ist gegen Ende der La Tène Zeit ein Einfluss vom Festland nachweisbar. Der Rest der britischen Inseln ist jedoch archäologisch nicht zur keltischen Kultur zu zählen. Das scheinbare "Verschwinden" der Kelten in Mittel- und Süddeutschland im 1. Jahrhundert v. Chr. wird gerne durch die nach Süden vordringenden germanischen Stämme erklärt, wobei diese Frage archäologisch nicht geklärt ist. Nach der Errichtung der Rhein- und Donaugrenze (Limes) durch die Römer ging die La Téne Kultur in der gallorömischen bzw. provinzialrömischen Kultur auf.

Mit freundlicher Genehmigung unseres Mitglieds Sebastian von Nagaroon aus Noreia Celtoi

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